Entwickelt vom kanadischen Plastischen Chirurgen Dr. Donald Lalonde beschreibt das „Wide Awake Verfahren“ eine besondere Form der örtlichen Betäubung, die die handchirurgische Operationsmethode geradezu revolutioniert hat. Bis zu dieser Entwicklung war für die meisten handchirurgischen Eingriffe ein Abbinden des Armes am Oberarm erforderlich, um blutungsfrei operieren und somit feine Blutgefäße und Nerven in der Hand gut sehen zu können.

Dr. Lalonde mit Dr. Kitzinger
Der Entwickler des Wide Awake Verfahrens, Dr. Donald Lalonde, mit Dr. Kitzinger auf dem europäischen Handchirurgenkongress (FESSH) 2018 in Kopenhagen.

Beim Wide Awake Verfahren wird dem Betäubungsmittel ein weiteres Medikament (Adrenalin) zugesetzt, das die Blutgefäße für einige Stunden verengt - aber nur im zu operierenden Bereich an der Hand. Dadurch kann auch in örtlicher Betäubung ohne schmerzhaftes Abbinden des Arms weitestgehend blutungsfrei operiert werden. Eine zusätzliche Sedierung (Gabe von Beruhigungs- oder Schlafmitteln) ist überflüssig. Der Patient kann die Operation entspannt und schmerzfrei erleben, die nun körperlich nicht belastend und daher äußerst schonend durchgeführt werden kann.
Trotz optimaler Schmerzausschaltung kann der Patient seine Finger auf Aufforderung bewegen. Dadurch kann der Arzt bei vielen Operationen sofort feststellen, ob der gewünschte Erfolg des Eingriffs bereits eingetreten ist. Arzt und Patient können somit vor dem Verschluss der Operationswunde gemeinsam bestätigen, dass das erwünschte Resultat erreicht wurde.

Dieses Betäubungsverfahren wurde in einer internationalen Multi-Center Studie an über 3.500 Patienten getestet. Bei keinem einzigen Patienten kam es zu Komplikationen - weder zu einer Durchblutungsstörung nach der Operation noch zu einer Aufnahme einer größeren Menge an Adrenalin in den Blutkreislauf. Auch in meiner Ordination wird diese Betäubungsform seit über fünf Jahren täglich eingesetzt - ohne einen einzigen Zwischenfall. Das Wide Awake Verfahren gilt daher als eine geprüfte und sehr sichere Betäubungsmethode.

Bei den minimal invasiven Operationen des Schnappfingers, des Karpaltunnel- oder Kubitaltunnelsyndroms, der Sehnenscheidenentzündung oder bei der Entfernung eines Ganglions (Überbein) kommt dieses Verfahren in meiner Ordination in Wien mit sehr guten Erfahrungen und Ergebnissen zur Anwendung. Die meisten Patienten können kaum glauben, dass ein handchirurgischer Eingriff, vor dem sie nervös waren und vielleicht sogar Angst hatten, dank „Wide Awake“ völlig schmerzfrei und entspannt abläuft.

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